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medflash - Thema

Komplikationen nach chirurgischen Eingriffen -
Möglichkeiten des Umganges und der Minimierung
Prim. Univ. Prof. Dr. G. ZIMMERMANN

Ärztlicher Leiter des LKH und Primar der Chirurgischen Abteilung, LKH Feldkirch,
Tel.: 05522/303 -2400, Fax: 05522/303 - 7505

Komplikationen nach chirurgischen Eingriffen: Postoperative Lebensqualität entscheidet!

Neue Operationsverfahren bergen die Gefahr in sich, neue Komplikationsarten nach sich zu ziehen, die bislang kaum oder gar nicht bekannt waren. "Das ist eine ganz normale Situation - nur man muss darüber reden", so Univ.-Prof. Dr. G. Zimmermann, Primar der Chirurgischen Abteilung des LKH Feldkirch beim 41. Österreichischen Chirurgenkongress in Alpbach.
Die postoperative Lebensqualität nach einem chirurgischen Eingriff muss entsprechende Beachtung finden und in die Entscheidung für eine Operation miteinbezogen werden. Der Chirurg sollte Komplikationen auch aus der Sicht des Patienten bewerten.

Jährlich werden in Österreich rund 100.000 allgemeinchirurgische Operationen (Blinddarm-, Galle-, Leistenbruch-, Magen-, Kropfoperationen usw.) durchgeführt. Dabei können operationsspezifisch unterschiedliche Komplikationen auftreten. Deren Art, Schweregrad und Häufigkeit stehen nicht nur in Beziehung zur Operation, sondern sind auch vom operierten Patienten und seinen Risikofaktoren abhängig. Die diesbezüglichen Daten sind Gegenstand der Diskussionen in der Fachliteratur und stellen die Basis für Qualitätssicherungsprogramme dar.

Neue, immer kompliziertere Operationstechniken, aber auch Abwehrreaktionen gegen neue Materialien im Körper führen in einzelnen Fällen zu neuartigen Komplikationen. Entscheidend für die Compliance des Patienten ist, dass der Chirurg durch ein entsprechendes Aufklärungsgespräch vor dem Eingriff auf die Möglichkeit von Komplikationen hinweist bzw. das operative Geschehen dem Patienten verständlich macht.

Auch die Indikationsstellung zur Operation und die postoperativeTherapie können für Komplikationen verantwortlich sein: Schon dem Entschluss zum operativen Eingriff muss die individuelle Risikoeinschätzung des Patienten durch den Operateur vorausgehen. Bei geriatrischen Patienten sind vor allem die postoperativen Rehabilitationsmöglichkeiten nach dem Eingriff abzuklären. Nur so kann eine Operation für Patient und Chirurg den gewünschten Erfolg bringen.

BEISPIELE DER MÖGLICHEN MINIMIERUNG VON KOMPLIKATIONEN

In der Leistenbruchchirurgie sind Komplikationen selten. Dennoch können sich in Einzelfällen postoperativ harmlose bis sehr schwierig zu beherrschende Konsequenzen ergeben: Hämatome bis zu einer Inzidenz von 5 Prozent und Infektionen mit einer Häufigkeit von unter 2 Prozent sind in der Literatur nachzulesen. Die Ursache eines chronischen Leistenschmerzes nach dem Eingriff kann durch Naht- oder Narbenzug bzw. durch Clips bei der Netzfixierung entstehen.

Mittels Laparoskopie werden in Österreich etwa 10 Prozent aller Patienten operiert. Diese neue, minimal invasive Methode setzt sich zunehmend an den chirurgischen Abteilungen Österreichs durch und ist vor allem bei Rezidivbrüchen, gleichzeitig vorhandenen beidseitigen Leistenbrüchen sowie bei Patienten, die starken körperlichen Belastungen ausgesetzt sind, angezeigt.

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Operationsverfahren wird dabei die Bruchlücke spannungsfrei von innen mit einem Kunststoffnetz abgedeckt.

Der spannungsfreie Bruchlückenverschluss durch ein Kunststoffnetz kann auch durch einen Schnitt von außen erfolgen (Lichtensteinplastik). Wenn auch der implantierte Fremdkörper im allgemeinen gut vertragen wird, so können doch im Einzelfall auftretende Komplikationen dazu zwingen, das Netz wieder zu entfernen.

Trotz dieser selten auftretenden, operationsbedingt neuartigen Komplikationsmöglichkeit stellt der spannungsfreie Bruchlückenverschluss durch ein Netz - von innen oder von außen - in so ferne einen wesentlichen Fortschritt dar, als die postoperativen Schmerzen sowie die Rekonvaleszenzphase deutlich gegenüber früher minimiert wurden.

In der Thoraxchirurgie konnten die Komplikationsraten in den letzten Jahren trotz steigender Anzahl von Patienten jenseits der 70 Jahre mit pulmonal-funktionellem und cardiovasculärem Risiko deutlich reduziert werden. Entscheidend dabei ist die präoperative Abklärung der lungenfunktionellen Operationsfähigkeit und die positive kardiale Anamnese. Die Möglichkeit, von der minimal invasiven Thoraxchirurgie gegebenenfalls auf eine offene Operation umsteigen zu können, ist eine weitere Voraussetzung für die Vermeidung von schweren Komplikationen.

 

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