Interventionelle
Radiologie:
Neue Maßstäbe für Ausbildung und Qualitätsmanagement
Am
20. März eröffneten Univ.-Prof. Dr. Klaus Hausegger, interimistischer
Abteilungsleiter an der Universitätsklinik für Radiologie
in Graz, Prim. Univ.-Prof. DI Dr. Karl Hittmair (Landeskrankenhaus
Bruck / Mur) und OA Dr. Josef Tauss (Universitätsklinik Graz)
die erste Einheit einer Fortbildungsserie für österreichische
Radiologen im European Surgical Institute (ESI) in Hamburg,
Norderstedt.
Die behandelten Themen:
Drei Tage lang wurden interventionelle radiologische Techniken
zur Behandlung von Karotis Stenosen, Aneurysmen, pheripheren
Verschlusskrankheiten, Myomen und Karzinomen trainiert. Neu
daran ist das komplexeTrainingsprogramm, das auf Initiative
von Cordis (Johnson & Johnson) in Zusammenarbeit mit der
Universitätsklinik Graz entwickelt wurde.
Unter der Patronanz von Prof. Hausegger werden sukzessive
alle Universitätskliniken in das Trainingsprogramm einbezogen.
Prof. Hausegger: Da es bei interventionellen Eingriffen
zu gravierenden Komplikationen, wie Gefäßrupturen,
Blutungen und peripheren Embolien kommen kann, sollten komplexe
Eingriffe vor der Anwendung am Menschen bisweilen am Tiermodell
trainiert werden.
Das ESI, das als das modernste und innovativste Schulungszentrum
für minimalinvasive Chirurgie in Europa gilt, stellt
für diese Bedürfnisse ein ideales Umfeld dar. 1993
von Ethicon Endo-Surgery (Johnson & Johnson) gegründet,
um der enormen Nachfrage nach Trainingsmöglichkeiten
im endoskopischen Bereich nachzukommen, hat das ESI in den
letzten Jahren zunehmend auch für andere Disziplinen
seine Pforten geöffnet. Jährlich werden dort 4.000
Ärzte und Vertreter des OP-Personals trainiert, davon
350 aus Österreich.
Folgende Techniken wurden bei der Veranstaltung im ESI trainiert:
Protektionssysteme zur Verhinderung von peripheren Embolien
bei der Behandlung von Karotis Stenose
Zu den umstrittensten Techniken in der interventionellen
Radiologie zählt die endoluminale Therapie bei Karotis
Stenose. Beträgt das Ausmaß einer Stenose mehr
als 75%, ist eine Sanierung anzuraten, um das Risiko eines
Schlaganfalls gering zu halten.
Die konventionelle Methode in diesem Bereich ist die TEA
(Thrombendarteriektomie), bei der das Gefäß in
der Regel unter Vollnarkose mittels Schnitt von außen
geöffnet und der Plaque ausgeschabt wird. Die Interventionelle
Radiologie bietet insofern eine Alternative, als hier von
innen eingehend über die Leistenarterie
ein Ballonkatheter und ein Stent eingeführt werden, durch
die die erkrankte Stelle gedehnt und eine neuerliche Verengung
verhindert wird.
Bei beiden Methoden besteht die Gefahr, dass durch den Eingriff
frei gewordener Plaque in das Gehirn gelangt und dort einen
(neuerlichen) Schlaganfall auslöst. Um das zu verhindern,
wurden Protektionssysteme mit Filtern (CE-Markierung für
die Karotis) entwickelt, die gemeinsam mit dem Ballon zur
betroffenen Stelle geführt und hinter diesem aufgespannt
werden.
Die konventionelle Methode ist in großen Studien hinreichend
getestet; diese bescheinigen ihr gute Langzeitergebnisse und
ein Komplikationsrisiko bis zu 6%. Da es sich beim interventionellen
Eingriff um eine relativ junge Prozedur handelt, existieren
dazu erst kleinere Untersuchungen. Diese weisen allerdings
darauf hin, dass das Risiko eines Schlaganfalls durch den
Eingriff weniger als 3% beträgt. Eine groß angelegte
Vergleichsstudie (SPACE) mit über 2.000 Patienten, an
der u.a. die radiologischen Zentren in Graz, Wien, Hamburg
und Dortmund beteiligt sind, ist bereits im Gange.
Endoluminale Aorten-Aneurysmentherapie zur Verhinderung
der lebensgefährlichen Ruptur
3% der über 60-Jährigen zeigen eine abnorme Ausweitung
der abdominellen Aorta. Ab einer Größe von 50 Millimeter
steigt die Gefahr einer lebensgefährlichen Ruptur dramatisch
an (auf über 30%!). Im Falle einer Ruptur liegt die Mortalität
bei 80%. In der konventionellen Therapie wird die Aorta im
Zuge einer belastenden Operation geöffnet und eine Schlauchprothese
eingesetzt.
In der Interventionellen Radiologie wird die Ausbuchtung
mittels kleiner Schnitte in den Leistenbeugen mit einer Endoprothese
(einem dichten Stentsystem) geschient. Dadurch wird der Druck
auf das Aneurysma beseitigt, das sich in der Folge zurückbildet.
PTA bei Claudicatio intermittens, der sog. Schaufensterkrankheit
Pheriphere Verschlusskrankheiten in den Beinen sind bei älteren
Menschen weit verbreitet. Die starken Wadenschmerzen nach
dem Gehen kurzer Wegstecken, die zum Stehenbleiben zwingen,
werden in der Interventionellen Radiologie mittels Dilatation
(PTA) behandelt. Wenn notwendig, kommt darüber hinaus
die Stenttechnologie zum Einsatz.
Während konventionelle Methoden, wie z.B. durchblutungsfördernde
Medikamente oft nur temporär helfen, handelt es sich
bei der PTA um eine unmittelbare Therapie, die die Lebensqualität
zahlreicher Patienten rasch und dauerhaft verbessert.
Interventionelle Ansätze bei Tumorerkrankungen
Auch bei der Behandlung von Tumoren spielt die interventionelle
Therapie zunehmend eine Rolle. Im Falle von Gebärmuttermyomen
wird ein Katheter in die Uterusarterie eingeführt, über
den kleine Plastik- oder Gelatine-Schwammpartikel in das Gefäß
injiziert werden. Durch diesen Prozess kommt es zu einer vollständigen
Blockade der Blut- und Sauerstoffversorgung der Myome. Sie
werden quasi ausgehungert und schrumpfen im Laufe
einiger Monate auf ein unbedenkliches Maß. Dieses Prinzip
wird auch präoperativ bei stark durchbluteten malignen
Tumoren angewandt.
Bei malignen Tumoren besteht auch die Möglichkeit, im
Rahmen einer lokalen Chemotherapie über Katheter Pharmaka
zuzuführen, die den Tumor zum Schrumpfen bringen. Den
häufigsten Fall dafür stellt das Leberkarzinom dar.
Die Tumorzellen können auch nach Direktpunktion des Tumors
mittels Radiofrequenz oder Laserstrahlen zerstört werden.
Alternativ kann auch Alkohol direkt in den Tumor injiziert
werden.
Gegenüber den herkömmlichen Operationen zeichnen
sich die interventionellen Techniken durch ihre Schmerzarmut
(Lokalanästhesie), die Absenz von Schnitten, kurze Krankenhausaufenthalte
sowie geringe Rekonvaleszenzzeiten und dadurch geringere volkswirtschaftliche
Kosten aus.
Prof. Hausegger: Bei all den beschriebenen Verfahren
ist eine enge Kooperation zwischen den interventionell tätigen
Radiologen und den jeweiligen Fachkollegen (Gefäßchirurgen,
Angiologen, Gynäkologen und Gastroenterologen) erforderlich.
Die nächsten Termine:
Die nächste Fortbildungsveranstaltung Interventionelle
Radiologie findet vom 8. bis 10. Oktober 2001 statt. Neben
Prof. Hausegger wird Univ. Prof. Dr. Siegfried Thurnher von
der Universitätsklinik in Wien als Trainer fungieren.
Für das darauffolgende Training wurde OA Dr. Peter Waldenberger
angefragt. Die Veranstaltungsreihe ist auf Österreich
beschränkt, wobei jeweils acht Radiologen teilnehmen
können.
Durch die geringe Teilnehmerzahl hat jeder Radiologe die
Möglichkeit, die teilweise aufwendigen
interventionellen Techniken selbständig an den beiden
OP-Tischen durchzuführen. Die ÖRG (Österreichische
Radiologische Gesellschaft) rechnet für die Teilnahme
an der Veranstaltung 20 Fortbildungsstunden an.
Eine ähnliche Serie ist auch für Kardiologen geplant.
(Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte
an: Johnson & Johnson, Cordis, Frau Bettina Idinger: Tel.:
01/36025-365, e-mail: bidinger@medat.jnj.com.)
Zusätzlich führt Prof. Hausegger vom 8. bis 10.
November im Hotel Weitzer in Graz eine in Europa einmalige
Veranstaltung durch: den
International Congress on Complications in Interventional
Radiology: Prevention & Management. Dabei werden
die Teilnehmer ganz entgegen der europäischen
Tradition aufgefordert, nicht (nur) über Erfolge,
sondern insbesondere über Probleme und Komplikationen
bei Eingriffen zu berichten.
Für die Diskussion geeignete Fälle können
bereits jetzt an Frau Ines Kurka, Auenbruggerplatz 9, 8036
Graz eingesandt werden (e-mail: ines.kurka@lkh-graz.or.at).
Nähere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie bei
EuroCongressTM Conference Management, Tel.: 01/8674944, e-mail:
graz2001@eurocongress.org.
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Pro & Co PR + WEB
Mag. Theresia Unger
Tel.: 01/4706320
e-mail: t.unger@proco.co.at
Web:
http://www.proco.co.at