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Standards
der HIV-Therapie
Im
Jahr 2000 wird es weltweit zwischen 30 und 40 Millionen HIV-infizierte Menschen
geben, zu denen jährlich rund 3 Millionen Neuinfizierte dazukommen. In Österreich
leben geschätzte 15.000 Personen, die HIV-positiv sind. Die neuesten Behandlungsmöglichkeiten
machen Hoffnung, stoßen aber auch auf eindeutige Grenzen.
Prinzipien
der HAART
- Ziel: maximale Suppression der Viruslast
- alles oder nichts, keine Kompromisse
- mindestens Dreierkombinationen
- Therapiebeginn und Indikationsstellung nur von Spezialisten
- Patient muß zur Therapie bereit sein
Von Dr. Sigrid Ofner (Aids
Hilfe Wien)
Seit der Behandlung des ersten AIDS-Patienten am Wiener AKH sind etwa 19 Jahre
vergangen, die nicht nur Aufschluß über die damals noch mehr oder weniger unbekannte
Erkrankung, sondern auch große Fortschritte in den Bereichen Diagnose und Therapie
gebracht haben.
Der erste Schritt zu einer spezifischen HIV-Therapie wurde 1986 mit der Einführung
von AZT (Azidothymidin), einem nucleosidalen reversen Trankriptaseinhibitor (NRTI)
gesetzt, dem weitere Präparate aus dieser Substanzklasse folgten.
Allerdings mußte bald erkannt werden, daß die Behandlung mit NRTI aufgrund komlizierter
Einnahmeschemata und schwerer Nebenwirkungen nicht nur sehr belastend für die
Patienten ist, sondern auch den gewünschten Erfolg nicht bringt. "Wir müssen uns
darüber im klaren sein, daß alle Monotherapien versagen", betont Dr. Horst Schalk,
praktischer Arzt in Wien mit Schwerpunkt HIV, und erläutert weiters: "die Virusreplikation
kann dadurch nicht verhindert werden, es kommt weiterhin zur Virusvermehrung und
damit zur Resistenzentwicklung."
Kombinationstherapie
Das Ziel, die Vermehrung des HI-Virus fast vollständig zu verhindern, wurde erst
1996 mit Einführung der Proteaseinhibitoren (PI) und der seit damals üblichen
Anwendung von Kombinationsschemata im Rahmen einer hochaktiven antiretroviralen
Therapie (HAART) erreicht. "Allerdings", schränkt Schalk ein, "haben sich die
Heilungshoffnungen in keinster Weise bewahrheitet.
Mit der heute zur Verfügung stehenden Kombinationstherapie ist es nicht möglich,
eine komplette Eradikation zu erreichen. Die Patienten müssen, um ihre Viruslast
niedrig und ihre CD4-Zellzahl hoch zu halten, lebenslang therapiert werden." Die
viral load und eine CD4-Helferzellenzahl, die unter 500 liegt, sind neben dem
Auftreten einer symptomatischen HIV-Infektion (AIDS) auch die Faktoren, die den
Ausschlag für einen Therapiebeginn geben. "Ein weiteres sehr wesentliches Kriterium
ist selbstverständlich, daß der Patient für die Therapie bereit sein muß", betont
Schalk.
Seit 1998 steht eine weitere Substanzklasse, jene der nichtnucleosidalen reversen
Transkriptaseinhibitoren (NNRTI) zur Verfügung, die es möglich macht, eine Kombinationstherapie,
die immer zumindest aus drei Substanzen besteht, auch ohne PI durchzuführen.
Schalk: "Ob man zu Beginn der Therapie eher mit einem breiten Substanzspektrum
beginnen soll oder sparen soll, um Substanzklassen für den weiteren Verlauf aufzuheben,
ist bisher ungeklärt."
Der Verzicht auf PI könnte unter Umständen Vorteile im Bezug auf die Compliance
bringen, da diese Substanzklasse bei einigen Patienten zum sogenannten Lipodystrophie-Syndrom,
das mit extremen Anstieg der Blutfette und Veränderungen der Körperproportionen
einhergeht, führen kann.
Optionen 2000
Welches Kombinationsschema dem Patienten verordent wird, wird üblicherweise von
seinem Krankheitszustand abhängig gemacht. Ist seine Viruslast hoch, also über
100.000 copies/m3, wird man eher zu einer Therapie aus zwei NRTIs plus ein oder
zwei PIs raten, liegt seine Viruslast unter 100.000 copies/m3, wird eher mit einer
Kombination aus zwei NRTIs und einem NNRTI behandelt. Bei speziellen Indikationen
können auch Kombinationen, bestehend aus drei NRTIs verabreicht werden.
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