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Von März 2014 :: Zurück

Alte Therapie neu entdeckt: Verfahren hocheffektiv, Forschung zu weiteren Krankheiten und besserer Compliance (Ekelvermeidung)

Darmleiden: Stuhl-Transplantation hochwirksam

darmZugegeben: Man denkt nicht gerne an seine Ausscheidungen – und noch weniger an die fremder Menschen. Dass jedoch gerade “fremde Stühle” eine äußerst effektive Therapieoption bei ernsten Darminfektionen oder entzündlichen Darmerkrankungen darstellen, ist zwar gewöhnungsbedürftig – doch in der Not…: Neue Studien über eine alte Heilmethode lassen chronisch leidende Menschen hoffen.

Für Stuhltransplantation gilt, was für viele sehr alte Verfahren gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn. Zumal es durchaus “schwierige” Aspekte gibt – zum einen handelt es sich beim verwendeten Therapeutikum um ein höchstgradig mit Ekel belastetes Material, zum anderen wurde stammt der Ansatz, einen erkrankten Darm mit Stuhl gesunder Spender zu kurieren, aus der traditionellen chinesischen Medizin.

Schon zu Zeiten der “östlichen Jin”-Dynastie (317-420) durch den chinesischen Alchemisten und Universalgelehrten Ge Hong in seinem alchemistischen Werk “Baopuzi” beschrieben, befindet sich dieses damit die längste Zeit außerhalb der Wahrnehmung westlicher Medizin, auch wenn zur Kenntnis genommen worden war, dass der Mediziner auch erstmals die Krankheitsbilder von Pocken und Tuberkulose beschrieben hatte.

Rückgriff wegen Resistenzen

Und obgleich 1958 eine Stuhl-Übertragung mittels Einlauf als erfolgreiche Maßnahme zur Heilung eines Falles massiver pseudomembranöse Enterokolitis (Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile) beschrieben worden war, geriet die Methode in Vergessenheit.

Erst im Rahmen der Erforschung von Therapieoptionen gegen Infektionen mit zunehmend Antibiotikaresistenzen entwickelnden sogenannten “Krankenhaus-Keimen”, unter denen  Clostridium difficile einer der verbreitetsten ist, wurde 2012 auch eine Studie durchgeführt, die die Wirksamkeit der Stuhl- bzw. Darmflora-Übertragung von Neuem untersuchen sollte:

Neue Flora durch die Nase

Jedoch wurde nun an Stelle von Einläufen (retrograde Zuführung) nun die fremde Darmflora mittels Nasensonde (antegrade Einleitung) in den Zwölffinger-Darm eingebracht. Von den 16 Enterokolitis-Patienten in der damit behandelten Studiengruppe zeigten bereits nach der ersten Übertragung 81% höchst positive Effekte.

Diese konnten in den Vergleichsgruppen (etwa mit ausschließlicher Anwendung von Antibiotika) nicht annähernd erzielt wurden, weshalb die Studie nach einer Zwischenanalyse abgebrochen wurde:

Extrem effektiv

Die Autoren konnten zeigen, dass sich die duodeniale Anwendung der Fremdfäkalien als höchst effektiv gegen die untersuchten rezidivierenden Clostridium Difficile Infektionen erwiesen hatte:

Im Vergleich zu einer Remission von 23-31% nach zweiwöchiger Gabe von Vancomycin (500mg) waren die Ergebnisse der Stuhltransplantation (bei der zweiten Übertragung konnte in bereits 94% der Fälle Remission erzielt werden) jenen der Antibiotikatherapie deutlich überlegen.

Hoffnung bei Colitis ulcerosa

Die Übertragung von verdünntem und homogenisiertem – durch verkleinerte Partikel leichter aufnehmbarem – Stuhl gesunder Spender ohne chronische Erkrankungen und vorhergehendem Antibiotika-Einfluss stellt jedoch nicht nur bei rezidivierenden Clostridium Difficile Infektionen eine Therapieoption dar:  

Auch chronisch entzündliche Darmerkrankung wie Colitis Ulcerosa können mittels Stuhlübertragung therapiert werden, wenngleich die Anwendungszahl höher liegen muss:

Immerhin konnten mehrfache Anwendungen in 12 von 21 Fällen (57%) eine komplette Wiederherstellung der Darmmukosa bewirken und liegen damit in der Effektivität deutlich über allen konventionelleren Optionen.

Auslotung folgt

Künftige Forschung hinsichtlich der generellen Anwendbarkeit der Stuhltransplantation und der diesbezüglichen Erweiterung des Therapiespektrums anderer, mit Veränderung der Darmmikrobiota einhergehenden Erkrankungen wie Adipositas oder Diabetes mellitus wird auch die Auslotung möglicher Darreichungsformen einschließen –

nicht nur hinsichtlich Methodik- und Spenderauswahl, sondern auch im Sinne verbesserter Patienten-Compliance.

“Fecal microbiota transplantation: indications, methods, evidence, and future directions”; Borody TJ1, Paramsothy S, Agrawal G.;
in: Current Gastroenterology Reports
; 2013 Aug;15(8):337. doi: 10.1007/s11894-013-0337-1.

“Duodenal infusion of donor feces for recurrent Clostridium difficile”; van Nood E1, Vrieze A, Nieuwdorp M, Fuentes S, Zoetendal EG, de Vos WM, Visser CE, Kuijper EJ, Bartelsman JF, Tijssen JG, Speelman P, Dijkgraaf MG, Keller JJ.; in: N Engl J Med. 2013 Jan 31;368(5):407-15. doi: 10.1056/NEJMoa1205037

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Mukosale Immunologie und Mikrobiom e.V.
70599 Stuttgart, Wollgrasweg 49b

Katrin Mannsdörfer, Presse
+49 711451017706

katrin.mannsdoerfer@dgmim.de

 


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